Die Geschichte des Tanzes
Altertum
Die ältesten erhaltenen Dokumentationen und Aufzeichnungen im Hinblick auf die Ursprünge und die Wurzeln der allgemeinen Tanzkunst stellen indische Höhlenmalereien dar. Diese müssten Schätzungen von Archäologen und Experten zufolge zwischen 5000 und 2000 v. Chr. entstanden sein. Eine besonders auffällige Malerei in den Höhlen Bhimbetka verbildlicht eine sogenannte Reihentanzformation.
Darüber hinaus existieren weitere Darstellungen der frühesten Formen des Hinduismus, die den Gott Shiva, eine der wichtigsten Formen des Göttlichen im Hinduismus, als sogenannten „Natraj“ zeigen – genau genommen den „König des Tanzes“. In diesem Zusammenhang sei weiters angemerkt, dass in Indien zwischen 400 und 200 v. Chr. die „Natya Shastra“ entstanden ist. Dabei handelt es sich um die „heilige Wissenschaft des Tanzes“, welche das einflussreichste und bedeutendste Frühwerk zur Thematik des allgemeinen Tanzes darstellt.
Auch in Ägypten gibt es zahlreiche Hinweise auf frühe Anzeichen der Tanzkunst. Besonders im antiken Ägypten waren rituelle Tänze, die den Tod sowie die Wiedergeburt des Gottes Osiris darstellten, besonders populär. Sie zeichneten sich außerdem dadurch aus, dass sie in der Technik des Tanzens so anspruchsvoll und komplex waren, sodass sie nur von äußerst professionellen und talentierten Tänzern aufgeführt werden konnten.
Des Weiteren sei im Rahmen der Tanzkunst im Altertum festgehalten, dass die alten Griechen den Tanz nach bestimmten Gottheiten und den für sie charakteristischen Gefühlsausdrücken systematisierten. Als bedeutsamstes Zeitzeugnis dieses Aspekts gilt Homers Beschreibung des Tanzes Chorea im altgriechischen Epos „Ilias“, das aus dem 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. stammt. Es konnte bewiesen werden, dass sogenannte ekstatische Tänze einen wichtigen Bestandteil der Dionysien, aus welchen später Drama und Komödie hervorgingen, darstellten. Diese Tänze galten als regelrechte Theaterformen, in denen oft ein Chor mitspielte. Dessen Bewegungen und Tanzmuster bezeichnete man als sogenannte Choreografie. Daraus entwickelte sich infolgedessen der heute moderne Terminus „Choreografie“.
Renaissance
Die mittelalterliche Kultur, die damals im Rahmen der Renaissance von der christlichen Religion bestimmt wurde, bezeichnete den allgemeinen Tanz als mehr oder weniger „notwendiges Übel“. Obwohl zu dieser Zeit das Tanzen sehr verbreitet war und zweifelslos – vor allem bei den Jahreszeitenfesten – immer getanzt wurde, existieren darüber nur sehr wenige Aufzeichnungen.
Im 15. Jahrhundert vollzog sich ein deutlicher Umschwung, als der Gesellschaftstanz mit gemischten Paaren – besonders an den europäischen Höfen – immer beliebter wurde und sich zudem als Zeitvertreib herauskristallisierte. Das baldige Auftreten der ersten Hoftanzmeister sowie die Publikation der ersten Tanzhandbücher und –Ratgeber sind ein offensichtlicher Beweis für jene Tatsache, die besagt, dass sich der Tanz zu einem Teil des adligen Lebensstiles entwickelte.
Der sogenannte „danse basse“ galt während der gesamten Renaissance als vorherrschender Tanz und absolut in Mode. Genau genommen stellte er im wesentlichen Sinne einen Prozessionstanz mit äußerst würdevollen und auffallend zeremoniellen Bewegungen und Tanzschritten dar. Außerdem war es auch Damen möglich, diesen Tanz mit ihren unbequemen langen Kleidern aufzuführen. Einer der beliebtesten Tänze der Renaissance war die Pavane – der sogenannte Pfauentanz.
Das frühe 16. Jahrhundert war dadurch charakterisiert, dass die Fröhlichkeit der Menschen und die allgemeine Tendenz zu freieren Sitten immer wichtiger wurden. Dieser Wandel führte dann zur Einführung des sogenannten „danse haute“. Dieser Tanz forderte einerseits schnellere Bewegungen und Geschick hinsichtlich besonders schwieriger aufeinander folgender Tanzschritte, andererseits Sprünge und körperliche Beweglichkeit jeweils passend zum Rhythmus der Tanzmusik. Der erste derartige Tanz, der dem „danse haute“ am nächsten kam, war die Gaillarde aus Italien. Dieser Tanz wurde meistens ohne Anfassen der Hände mit zahlreichen unterschiedlichen Tanzschritten und Bewegungssprüngen getanzt. Allgemein sei hier festgehalten, dass die Gaillarde hinsichtlich ihres Regelmusters im Wesentlichen der Pavane folgte. Ebenso galt die Volta, welche im Film „Elisabeth“ mit Cate Blanchett als Elisabeth I. aufgeführt wurde, als äußerst beliebte „danse haute“. Für die Volta war besonders charakteristisch, dass der Mann seine Tanzpartnerin drehte und sie anschließend auf sein Knie hob.
Auch die Courante, die Allemande und die Gavotte zählten zu den beliebtesten Tänzen des 17. Jahrhunderts.